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Science Fiction für alle, die nicht schwarz-sehen wollen!

von ulan, 13.12.2010 - Alle Rezensionen dieses Mitglieds ansehen

Einen Sommer lang hat Clarissa die große Freiheit genossen, die die Gesellschaft ihrer Zeit den Heranwachsenden gibt. Als der Wintermonsun beginnt, kehrt sie zurück ins Dorf ihrer Eltern, einer futuristischen Insel inmitten der weiten Wälder. Doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Clarissa dämmert bald, dass dies nicht nur an ihrer soeben überwundenen Pubertät liegen kann. Verstörende Gerüchte haben die Dorfgemeinschaft verunsichert: In einer Müllgräberstadt soll es einen Amoklauf gegeben haben, der nun wie ein dunkler Fluch über der Gemeinschaft der Waldbewohner liegt.

Im Dorf erzählt Clarissa einen Traum, den sie einige Tage zuvor hatte und zu dem sie ihre Eltern um Rat fragen möchte. Sie möchte mehr über die junge Frau Maria erfahren, die ihr in dem Traum begegnet ist. Ihr Vater vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Trauminhalt und dem Amoklauf, der zur gleichen Zeit stattfand und nun das fragile Gleichgewicht der Gesellschaft bedroht.

Um die schreckliche Tat aufzuklären, begibt sich Clarissa zusammen mit ihrer Freundin Tihana zu ihrem ehemaligen Lehrer Klatu in die Müllgräberstadt. Doch die rasant gewachsene Agglomeration über den Hinterlassenschaften einer unbekannten Zivilisation aus dem Zweiten Mittelalter ist nur der Anfang eines riesigen Strudels von Ereignissen.

Clarissa muss ins Organotron reisen, was nicht ungefährlich ist, da dies nur durch die Einnahme einer seltenen pflanzlichen Droge möglich ist. Diese wurde etwa im Jahr 2500 entdeckt und erwies sich als das stärkste bis dahin bekannte Halluzinogen. Clarissa entscheidet, das Risiko auf sich zu nehmen. Mit Hilfe ihrer Nachbarin Tihana und ihres ehe-maligen Lehrers Klatu dringt sie ein in die Tiefen des Organotrons. Dort begegnet sie Maria, dem Mädchen aus der Vergangenheit, das zusammen mit ihrem Freund vom Dach ihrer ehemaligen Schule sprang und damit den epochalen Schüleraufstand 2019 auslöste.

In die Szenen aus Marias Leben mischen sich immer wieder - wie Interferenzen - zahlreiche andere Stimmen: die Erinnerungen eines Unbekannten an den globalen Pornofaschismus seiner Zeit und Nasr, das Phantom eines afrikanischen Flüchtlingskindes, das nie in Europa ankommen durfte.

Tiefer und tiefer taucht Clarissa ins Herz des Organotrons, so dass sie sich beinahe in den dunkelsten, gefährlichsten Spuren des planetarischen Gedächtnisses zu verlieren droht.
Dabei stößt sie auf Erinnerungen des Amokläufers Prabot, die den Auslöser der Bluttat offenbaren. Dabei wird Clarissa mit Informationen konfrontiert, die ihr bisheriges Weltbild existenziell erschüttern, da der Mythos auf den sich ihre Gesellschaft gründet, selbst in Frage gestellt wird.

Der Epilog, der im Jahr 2089 n.Chr. angesiedelt ist, erzählt eine kurze Episode aus dem Leben eines Soldaten namens Claude. Dieser leidet an den Auswirkungen einer speziell für den Kampfeinsatz entwickelten Substanz namens Floridamid. Ungeklärt bleibt, ob letztlich alles bisher Erzählte nur eine Fantasie Claudes war, gewissermaßen das Nebenprodukt einer Droge, die dazu dient, das Töten zu verschleiern.